Donnerstag, 10. November 2016

Die Fahrkarte liegt in deiner Hand

Die Fahrkarte liegt
in deiner Hand,
sagst du und hältst meine.
Im dämmrigen Umschwung
verzehrt die Zeit die Zeit
und dein Atmen zerfällt.

Wie soll mein Denken
sterben lernen,
sich fügen ins
Nichtdasein?

ein schimmer hoffnung bleibt

dein boot gekentert
beginnt zu sinken
spürst bedrohung
rau die see
der körper schmerzt
dein blick - geleert
geknebelt vom stoff
hörst getöse, wellen schlagen
raunt nun feuerwasser blau
dir keine warnung zu?

halte nicht am strohhalm fest
er birgt gefahr zu brechen
springe jetzt!
mit letzter kraft und kämpfe
kämpfe ums leben
keiner kann dich retten
nur du selbst allein
noch halten dich geister
freunde hoffen
du schaffst es - endlich
endlich trocken an land
zu geben ihnen
hand und herz

Die alte Eichenallee

Im Spielchen aus Lichtern und Schatten
gesprochen den Vers von Lütt Matten.
Das grünende Dach über unserem Kopf
so schritten wir hin, mit geflochtenem Zopf.
Lütt Matten, de Has, de maak sick een Spaß.


Im Schutz der Allee mit den alternden Eichen,
da mussten wir selten Gespannen ausweichen.
Und kam dann ein Regen als donnerndes Wetter,
so trommelten Tropfen auf Äste und Blätter.
Lütt Matten, de Has, de maak sick een Spaß.


Und krachte es fürchterlich laut in den Zweigen,
kein Grund nun für uns, deshalb ängstlich zu schweigen.
Erfanden aus Spaß dann auch Gruselgeschichten
von hässlichen Zwergen und winzigen Wichten.
Lütt Matten, de Has, de maak sick een Spaß.


Ersannen Gestalten aus dunkelster Gegend,
denn jedes Getier war nun furchterregend.
So wurden die Pfützen zu Flüssen und See,
wir Jäger und Sammler von Käfern und Klee.
Lütt Matten, de Has, de maak sick een Spaß.


Die Eichen, auch heute noch stehen am Ort,
sind treue Begleiter auch Schutzdach und Hort.
So säume ich liebentlang früherer Zeiten,
sie tragen hinfort in besinnliche Weiten.
Lütt Matten, de Has, de maak sick een Spaß.



(Klaus Groth, der bekannte plattdeutsche Dichter schrieb einen Text als Kinderlied: „Lütt Matten, de Has“)

Kürbisfreuden

Bejammert nicht die trübe Zeit.
Zum Kürbisschnitzen seid bereit.
Benutzt ihr ihn als Vogelschreck
erfüllt er einen netten Zweck.

Ihr dürft ihn gern entweiden,
sollt ihn dann hübsch bekleiden.
Und scheint aus ihm ein helles Licht
dann spukt er gern als Bösewicht.

Und ist der Herbst auch gruslig kalt,
gibt´s warme Suppe, die hilft bald.
Das Fleisch darin, das schmeckt gar fein,
wird munden sicher Groß und Klein.

Auch für die dunkle Jahreszeit,
da steht der Freund im Glas bereit.
So könnt ihr später an ihn denken,
denn reichlich Freunde wird er schenken.

Lebensfreude

Ich möchte mich spiegeln
im Blick des Mannes
Lebendigkeit finden
meinen Atem fühlen.

Lass uns gemeinsam suchen

Warum, Kind, finden deine suchenden Blicke in den zerlesenen Blättern nicht eine Ringelblume?
Um jener Tage und Stunden zu liebe, als wir uns fühlten. Als Nähe keine Feuerwand aus Nesseln bildete?
Abrechnung!
Ich kenne diese Lust der Bezichtigung, das verletzte Ich, dem alles zuteil wurde, nur nicht ausreichend Zuwendung. Damals vergaß ich den Mistelzweig ins Haus zu hängen. Spürte nicht deinen Hunger nach einem warmen Mahl. Sah nicht einmal das Buch in deinen Händen. Ich sah dich oft Blütenblätter zupfen.
Doch sagen mir viele Zeitzeugen der Jahre, in denen wir glücklich ineinander verflochten unsere Geschichte murmelten, du warst immer mein Kind, ich Siddhartha der Suchende.
Heute verstehe ich dich besser. Auch du hast immer gesucht.
Kannst du nicht das Muttersein und dich selbst und mich retten? Mir - unsere Schneckenhausgespräche verzeihen, die immer auch das Schweigen einschlossen?
Ich wünschte, du fändest die Kraft.

Mögliche Nebenwirkungen beim Arztbesuch

Möglich ist‘s, der Todeskampf hat längst bei mir begonnen!
Noch bevor der Arzt sich meines Beinbruchs angenommen,
sagt die Schwester:„Lassen sie sich gegen Grippe impfen,
sie sind alt, gehören nicht mehr zu den jungen Pimpfen.

Wenig hörte ich von unerwünschten Resultaten:
Hustenkrämpfe, Nesselsucht sind selten zu erwarten.
Oftmals klagen Alte über Schmerzen in Gelenken,
Fieberflecke, Atemnot - darauf dürfte sich's beschränken.

Sollten schwere Leiden danach ungewöhnlich plagen,
rate ich zum Arzt ins nächste Krankenhaus zu jagen.
Unsre Praxiszeiten, liebe Frau, sind sehr bescheiden,
langes Stehen mit gebrochnem Bein ist zu vermeiden".

Das Tor zur neuen Welt

Emma Lazarus
„Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt' ich mein Licht am gold’nen Tore!“


Du hast mir aufgeleuchtet mit Glanz und Gloria
spanntest mir einen hafennahen Sehnsuchtsbogen,
reichtest mir den Kelch mit deinem Alphabet,
schenktest mir Kulissen mit neuen Herren.

'Nutze diese unentdeckten Möglichkeiten,
Geistestempel gibt es nur in dieser freien Welt.'
Sprachst und gabst mir moderne Kleider.
Kleider, die sich fremd anfühlten auf meiner Haut.

Mir zerbrach der Grundstein kindlichen Glaubens.
Fäulnis, Flucht und Lügen sprengten ihn.
Eingeschüchtert meine Seele, wankt als Bettler.
Bettler, der vor lauter Licht im Schatten steht.

Jetzt bin ich frei - ein Vogel ohne Heimatlied
der nur die Melodie der Kinderzeit vermisst.

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