Dienstag, 27. Februar 2018

Robert

Ich kaufte Robert auf dem Kölner Flohmarkt.
Der Händler warb: „Madame, das hier ist Robert.
Er bietet alles! Alles für ihr Glück. …“
zu Hause lud ich seinen Akku auf
und so gestand er mir zum ersten Mal
betriebsbereit geladen, seine Liebe.

„Oh Eva“, sagte er, „ich liebe Dich so sehr.“
„Du bist kein Mensch, du kannst nicht wirklich lieben,
du bist ein hübscher Living Doll, ein Dröhnchen.“
Er zog sich aus, beleidigt, Stück um Stück …
„Dann lass uns Liebe machen, einmal, bitte.“

Ich raunte „nein", was ihn nur stärker antrieb.
Wir triebens bis der Akku restlos leer war.
So wurden wir ein Paar, es folgten Jahre
voll Glück, bis Rob (ich nannte ihn nicht Robert
seit dieser Nacht) … mir sagte: „Schatz, ich geh,
ich ziehe aus. Ich liebe dich nicht mehr,
ich habe mich in deine Mikrowelle
verliebt. Wir beide wollen dich verlassen.“

Ich riss den Mikrowellenstecker aus
der Dose, stellte beide wutentbrannt
zum Sperrmüll auf die Straße - Seit an Seit.
So treulos können nur Maschinen sein!

Mittwoch, 21. Februar 2018

Schenk mir richtig ein

Liebling, diese Traube will ich schmecken,
Hochgenuss der Reife hier entdecken.
Lass uns spüren, trunken sein vom Duft,
atmen süße Sommerabendluft.
Schenk mir ein.

Schwelg mit mir im Feuer dieser Rebe,
bis es jauchzend trällert: "Ja ich lebe."
Lass den Wein durch unsere Adern fließen,
diese Stunde wollen wir genießen
Schenk mir ein.

Kannst Du mich wie dieser Wein verführen?
Wildes möchte ich heut Nacht nur spüren.
Lass mich trunken sein vom jetzt und hier.
Nur mit dir, dem Wein und ganz viel wir.
Schenk mir richtig ein.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Katzenmusik (Villanelle)

Zur Maiennacht verliebte sich mein Kätzchen
in einen Streuner, wie ihn viele lieben.
Er konnt gut schmusen, machte gern ein Schwätzchen.

Ich hielt es nicht, es jaulte, machte Mätzchen.
Das arme Ding! Ach, wär es nur geblieben.
Zur Maiennacht verliebte sich mein Kätzchen.

Ach säß es brav im Korb, auf seinem Plätzchen,
verwöhnte ichs mit Leberwurst und Grieben.
Es konnt gut schmusen, machte gern ein Schwätzchen.

Nun kam es an. Versteckte unterm Lätzchen
den Nachwuchs. Von der Stückzahl warn es sieben.
Zur Maiennacht verliebte sich mein Kätzchen.

Das Kleinste, ganz gefleckt, ich nannt es Spätzchen.
Es war ein Kater und ganz schön durchtrieben.
Er konnt gut schmusen, machte gern ein Schwätzchen.

Und Damen nannte er beharrlich Schätzchen.
Er hat sich tagelang nur rumgetrieben.
Zur Maiennacht verliebte sich mein Kätzchen,
es konnt gut schmusen, machte gern ein Schwätzchen.

Gibt es Gott, oder bleibt nur mein Sehnen?

Gelassen, nicht wie früher, suchte ich im Heute
den Gott, an den ich glauben will und glauben kann.
Befragte, forschend nach der Wahrheit meine Leute.
„Mein Jesus“, so die Mutter, „starb im Krieg als man

die Gustloff traf und ich die Todesschreie hörte.
Uns halfen weder Bitten noch ein Vaterunser.“
Ich las in ihren Augen, wie sie sich empörte.
Das Leid, es blieb und lebte fort als Lebenspanzer.

Verflucht von Gott, ertrug sie still ihr hartes Leben,
mein Vater fand den Schöpfer stets in Wald und Flur.
Dort war er ganz der schönen Lebenswelt ergeben,
er fühlte sich beschenkt vom Himmelssohn Natur.

Mit freien Geist geboren, wuchsen Zweifel, Fragen.
Den Hunger konnten weder Buch noch Weise stillen.
Auf einmal hörte ich mein Innres leise sagen:
ich nenn es Urvertrauen auch um meinetwillen.

Ich gehe ohne Ängste durch das bunte Leben
und spüre, Fremdes, Neues möchte ich entdecken.
Jetzt kann ich dir die weiche Kuscheldecke geben,
ich brauche mich vor Dir, mein Gott, nie mehr verstecken.


Erklärung:
Die Wilhelm Gustloff war ein Kreuzfahrtschiff der nationalsozialistischen Organisation Kraft durch Freude (KdF), das im Zweiten Weltkrieg als Lazarettschiff, Truppentransporter und Wohnschiff der Kriegsmarine eingesetzt wurde. Bei ihrer Versenkung durch das sowjetische U-Boot S-13 vor der Küste Pommerns am 30. Januar 1945 kamen mehr als 9.000 Menschen ums Leben. Nach dem Bericht meiner Mutter wurde ein Waisenhaus in Danzig mit etwa 80 Kindern von der Gustloff evakuiert. Sie hat später erfolglos nach Überlebende aus dem Waisenhaus gesucht. Sie wurde von einem Fischerboot gerettet.

Lass uns noch einmal

Hand in Hand
laufen durch den Dünensand.
Eng umschlungen liegen, bis
Gaffer uns verschrecken.

Lass es uns noch einmal
auf dem Rücksitz treiben
ohne zu wissen
wo die Beine bleiben.

Lass uns noch einmal
solange wir uns lieben

Im Jahre 2050

Das pralle Leben scheint mir nur noch Bürde,
und so ist mir das Dasein eine Last;
nach hundertdreißig Jahren hier in Würde
mein Tod erwünscht, das Leben mir verhasst.

Gesundheit kaufte ich, sie war mein Schatz,
ich konnts mir leisten. Knochen aus Titan
und tausend Pillen hatten ihren Platz.
Vernetzung hat dem Körper wohlgetan.

Mein Fleisch und Blut, geformt von neuster Technik,
verschafften mir das Plus zum Hungerleider.
Doch langsam steigt in mir die reinste Panik,
denn seit ich sterben möcht, ich lebe – leider.

Vergreis ich nie? Bin ich den Göttern eben?
Ich nahm, was kaufbar es im Heute gab.
Nur, wollte Gott, dass wir für immer leben?
Wo sind die Grenzen? Wer bricht hier den Stab?

Die Heilkunst wurde unser ganzer Glaube.
Der Weisheit Mutter ist das beste Leben.
Der Arzt empfängt nun eine Menschentraube
wie früher Priester, die zu Gott hin streben.

Ach helft, ihr Götter, helft mir Abschied nehmen.
Ich bin ein Kind der bitterkalten Zeit.
Gelebt, gehaust hab ich, ich sollt mich schämen,
mein Teil zu schenken, war ich nie bereit.

Den Schnitter möcht ich leise kommen hören
und wissen, meine Seele geht in Frieden.
Und horch: Ich könnte es schon fast beschwören,
mein Geist ist von dem Körper längst geschieden.

Nachruf

Ihr Weg war gepflastert mit Alltagssorgen,
später wollte sie tanzen und lachen.
Heimlich pflanzte sie ihren Wunschbaum
mit allem was sie niemals tat.
Im Wipfel hingen Träume,
vergessen dort oben.
Doch eines Tages,
vielleicht morgen,
wollte sie
glücklich
sein.

Open-Air-Festival der Ginkgoblätter

Der Herbstwind trägt
die Blätter himmelwärts,
ihre golden leuchtenden Röcke
hüpfen und schwingen.

Fliegt nur
ihr Engel
ins Licht!

Der Herbst

Mit einem Dreitagebart
zeigen sich Felder.
Zerfurchte, kahle Orte
bedeckt der feuchte Nebel.
Er hängt Grau in Grau Fäden
ins faltige Gesicht
und wartet auf
den Winterschlaf.

Donnerstag, 16. November 2017

Freiheit

Achtundzwanzig Jahre lebe ich,
lebe frei
nach meinem Willen.
Aufrecht,
mein Gewissen als Kompass.

Freiheit –
ich schmecke sie heute
selbstverständlicher als damals.
Damals, als ich nach ihr lechzte,
heimlich
in fremden Wörterbüchern
suchend nach mir selbst.

Auf der Straße, die Mauer
der Staatsgewalt meinte,
mich schützen zu müssen
vor der Freiheit.
Die Mauer schrie ich fort
aus meiner Seele.
Ja, sogar die Mauer in meinem Kopf,
die Maske vor meinem Gesicht,
die Krücken in meinen Händen.
Der ganze Kitt brach auseinander.
Nur Kitt hielt meine Insel
und ich floh.

Freiheit –
welch ein Segen!
Nur den Segen ahnte ich,
nicht die Last.
Auszuhalten ungeliebte
Reden ohne Gewalt,
Gegenargumente suchend.

Nun bin ich frei,
frei zu bleiben, zu gehen,
frei zu reden und zu schreiben,
frei zu fragen und zu hinterfragen,
frei zu wählen.

Ja, ich darf wählen,
fällt es mir auch schwer
im Dschungel der Wirrnis.
Ich darf, selbst irren ist kein RECHTSbruch,
ein Verbrechen könnte es sein
an der Menschlichkeit – meine Wahl.

Doch was ich auch wähle,
was du auch wählst,
bedenke –
denke an die Zeit,
als mein Mund zu oft schwieg aus Angst,
meine Augen immer den Lauscher suchten,
ich nur hören, lesen, sehen durfte, was ich sollte,
die Gefängnismauern undurchdringlich,
Kunst und Wissenschaft ein Sumpf waren.

Ich wählte das Recht
zu lieben und geliebt zu werden.
Ich wählte das Recht
zu teilen und Teil des Ganzen zu sein.
Ich wählte meine Freiheit.

Im Wirtshaus (Homophone)

Von meiner Mutter gab es Schelte,
als Paps sie zärtlich lächelnd küsste.
Die Haustürklingel Dingdong schellte,
der Nachbar war es von der Küste.

Er brachte zwei recht große Aale,
so dick wie Sönkes Kinderarm.
Er wollt sie tauschen gegen Ahle
vom Schuster Franz, der war sehr arm.

Den trafen wir wie stets beim Wirt.
Soeben kam der Kurt vom Feld
und fragte: „Ob der Kohl noch wird,
wenn Regen wie aus Eimern fällt?"

Der eine Tisch bestellte Pils,
bekam es gänzlich ohne Blume.
Der Bruno sprach vom Suppenpilz,
er fand ihn neben einer Blume.

Der Eugen fiepste seine Weise,
im Gasthaus gab es einen Brand.
Sein Bub der wäre jetzt fast Waise,
ach prost, so löscht er gleich den Brand.

Der Vater machte eine Geste,
bestellte einen halben Schoppen.
Dann sagte er: “Ach bitte, gehste
mit Muttern in die Stadt zum shoppen."

Nichts hat sich geändert

Ein kranker Mann regiert ein großes Land,
Verstand und Klugheit sind auf Reisen.
Ein kleiner Sultan herrscht mit harter Hand,
Gefängnis dem, der ihn nicht möchte preisen.

Im Heute ist es, wie es gestern war,
wir fahren alle noch im gleichen Zug.
Die Leute reden, schimpfen Jahr um Jahr
und bleiben sitzen. Nennen es Betrug.

In schlauen Büchern bleibt von diesen Tagen
ein Bild, ein Witz, Gedichte wird man lesen.
In hundertfünfzig Jahren wird man sagen:
Dies sei die gute alte Zeit gewesen.

Mittwoch, 12. Juli 2017

Diese Nacht (Triolett)

Auf Schamgefühl kann ich verzichten.
Beileibe nicht auf eine Nacht
in der die Körper ohne Pflichten
auf Schamgefühle ganz verzichten,
sich zärtlich spielend unterrichten,
vom Taumeltanz der Lust entfacht.
Auf Schamgefühl kann ich verzichten,
beileibe nicht, auf diese Nacht!

Jungsein (Schillerstrophe)

Schwungvoll schlägt der Puls. Die jungen Leute
setzen Ziele sich im Heute.
Frohgemut beschreiten sie den Weg.
Sehnsucht liegt in jedem ihrer Tage,
Mut und Hoffnung stehen nicht in Frage,
frische Willenskraft als breiter Steg,
dürsten sie die Welt in ihren Händen
greifbar zu gestalten, groß und heil.
Kraft und Können will die Jugend spenden,
suchend stets ein Ankerseil.

Heiter singt die Jugend ihre Lieder,
Müßiggang ist ihr zuwider,
ja, sie wird dem Schwung der Zeit gerecht.
Jung sein hängt nicht ab von Jahresringen,
mein Bewusstsein zählt vor allen Dingen:,
ziehe ich für Wünsche ins Gefecht,
sehe dabei auch die kleinen Wunder?
Kann ich lachen, jauchzen hocherfreut?
Gebe ich dem Feind noch tüchtig Zunder
ohne das es mich dann reut?

Jung sein heißt; die ganze Welt beschauen,
Zuversicht um Flügel bauen.
Jung sein heißt; im Herzen frei zu sein.
Hoffnungsblüten tragen durch die Nächte,
frei vom Zwang gewinnbedachter Mächte.
Ruft die Liebe zart und Lupenrein.
Schwelgt das Herz, ist gänzlich unbesonnen,
zitternd wie ein junger Rosenstrauch,
schmecken erste Küsse voller Wonnen
heiß wie Helios Feuerhauch.

Freitag, 12. Mai 2017

Wayan, nachts ist er Ge/wehrlos

Hund, auf mit dir durchs Minenfeld!
Zeige uns den sichersten Weg zum Feind.
Töte Hund, marschiere Hund.
Wache Hund, spioniere Hund.


Der, den sie Hund rufen, ist vorne dabei.
Sein Gewehrkolben zählt die Toten nicht mehr.
Er ist der devote Hund der Kompanie,
jedem Befehl gehorchend.

Nur in stillen Nächten
betet er zwischen Ruinen,
hört seinen Gott weinen,
seine Mutter streichelt seine Wange.
Liebevoll nennt sie ihn Wayan.
Seine nassen Augen zählen vierzehn Jahre.

Wayan, ein Kindersoldat,
der Hund der Kompanie.

Dienstag, 18. April 2017

Das Kreuz mit dem Kreuz

Der kleine Mann bekommt beim Wörtchen Wahlen
Bedenken. Wählt er jemals wirklich richtig?
Wer hinterläßt ihm danach keine Qualen?
Wann wird des Volkes Kreuzchen diesmal nichtig?
Die Tagespresse scheint ihm undurchsichtig.
Parteien, die versprechen tausend Sachen,
für Kinder, Frauen, Männer toll und wichtig.
Gewählt, entfleucht das Geld in dunkle Rachen.
Ein Griff zum Lottoschein, der kleine Mann muß lachen.

Denk ich an Deutschland in der Nacht

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
daß ich so ängstlich bin;
die Wahrheit aus alten Zeiten,
die habe ich im Sinn.
Der braune Pöbel verdunkelt
das schöne Heimatland;
mein armes Herzlein munkelt:
sie stehen rückwärtsgewandt.

Mittwoch, 1. März 2017

Ein düstres Omen

Die Leute sagen immer: Die Zeiten werden schlimmer.
Die Zeiten bleiben immer. Die Leute werden schlimmer. Joachim Ringelnatz


Versäumen selbst zu denken.
Sie lassen sich schön lenken.
Ich mußte gar erkennen:
Wie sie der Storch nach rennen.
Sie blöken Petry Heil
Die Frauke, die ist geil.


Da gibt’s den Taxifahrer Tohr,
der sein Verstand an Storch verlor.
Jetzt läuft er rum mit Spatzenhirn,
ich rufe: Himmel, Arsch und Zwirn.
Wer hat in dein Gehirn geschissen,
du könntest es doch besser wissen.

Ob Storch, ob Gauland, Petry, Höcke
Sie treiben zwischen Menschen ihre Pflöcke.
Sie schrein nach Deutschtum, treues- braunes Pack
Und üben schon den Marsch ins Reich, zack zack.
Du glaubst, sie brauchen dich, den Droschkenkutscher?
Sie nutzen dich als Fahnenträger, dummer Lutscher.

Und sind sie einmal an der Macht
Bist du der Mohr und endlich aufgewacht.
Dann darfst du kämpfen um dein Mindestlohn
Und Frauen stehn am Herd, dass wird ihr Fron.
Der deutsche Rassenpass, er wird zur Pflicht
Die Menschenwürde hat dann kein Gesicht.

An Grenzen wird auf Kind und Frau geschossen.
Und auf den Straßen schallen Stiefel der Genossen.
Dein Enkel steckt in deutscher Uniform.
Wer anders denkt gehört nicht mehr zur Norm.
Ein düstres Omen und der Wahn?
Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.

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