Donnerstag, 16. November 2017

Freiheit

Achtundzwanzig Jahre lebe ich,
lebe frei
nach meinem Willen.
Aufrecht,
mein Gewissen als Kompass.

Freiheit –
ich schmecke sie heute
selbstverständlicher als damals.
Damals, als ich nach ihr lechzte,
heimlich
in fremden Wörterbüchern
suchend nach mir selbst.

Auf der Straße, die Mauer
der Staatsgewalt meinte,
mich schützen zu müssen
vor der Freiheit.
Die Mauer schrie ich fort
aus meiner Seele.
Ja, sogar die Mauer in meinem Kopf,
die Maske vor meinem Gesicht,
die Krücken in meinen Händen.
Der ganze Kitt brach auseinander.
Nur Kitt hielt meine Insel
und ich floh.

Freiheit –
welch ein Segen!
Nur den Segen ahnte ich,
nicht die Last.
Auszuhalten ungeliebte
Reden ohne Gewalt,
Gegenargumente suchend.

Nun bin ich frei,
frei zu bleiben, zu gehen,
frei zu reden und zu schreiben,
frei zu fragen und zu hinterfragen,
frei zu wählen.

Ja, ich darf wählen,
fällt es mir auch schwer
im Dschungel der Wirrnis.
Ich darf, selbst irren ist kein RECHTSbruch,
ein Verbrechen könnte es sein
an der Menschlichkeit – meine Wahl.

Doch was ich auch wähle,
was du auch wählst,
bedenke –
denke an die Zeit,
als mein Mund zu oft schwieg aus Angst,
meine Augen immer den Lauscher suchten,
ich nur hören, lesen, sehen durfte, was ich sollte,
die Gefängnismauern undurchdringlich,
Kunst und Wissenschaft ein Sumpf waren.

Ich wählte das Recht
zu lieben und geliebt zu werden.
Ich wählte das Recht
zu teilen und Teil des Ganzen zu sein.
Ich wählte meine Freiheit.

Im Wirtshaus (Homophone)

Von meiner Mutter gab es Schelte,
als Paps sie zärtlich lächelnd küsste.
Die Haustürklingel Dingdong schellte,
der Nachbar war es von der Küste.

Er brachte zwei recht große Aale,
so dick wie Sönkes Kinderarm.
Er wollt sie tauschen gegen Ahle
vom Schuster Franz, der war sehr arm.

Den trafen wir wie stets beim Wirt.
Soeben kam der Kurt vom Feld
und fragte: „Ob der Kohl noch wird,
wenn Regen wie aus Eimern fällt?"

Der eine Tisch bestellte Pils,
bekam es gänzlich ohne Blume.
Der Bruno sprach vom Suppenpilz,
er fand ihn neben einer Blume.

Der Eugen fiepste seine Weise,
im Gasthaus gab es einen Brand.
Sein Bub der wäre jetzt fast Waise,
ach prost, so löscht er gleich den Brand.

Der Vater machte eine Geste,
bestellte einen halben Schoppen.
Dann sagte er: “Ach bitte, gehste
mit Muttern in die Stadt zum shoppen."

Nichts hat sich geändert

Ein kranker Mann regiert ein großes Land,
Verstand und Klugheit sind auf Reisen.
Ein kleiner Sultan herrscht mit harter Hand,
Gefängnis dem, der ihn nicht möchte preisen.

Im Heute ist es, wie es gestern war,
wir fahren alle noch im gleichen Zug.
Die Leute reden, schimpfen Jahr um Jahr
und bleiben sitzen. Nennen es Betrug.

In schlauen Büchern bleibt von diesen Tagen
ein Bild, ein Witz, Gedichte wird man lesen.
In hundertfünfzig Jahren wird man sagen:
Dies sei die gute alte Zeit gewesen.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Haben Sie wenigstens...
Haben Sie wenigstens Ihre Inhalte gesichert? Ich schwöre...
NeonWilderness - 3. Jun, 15:21
Ja, aber wo kann man...
Ja, aber wo kann man denn dann Ihre Gedichte lesen?
iGing - 3. Jun, 15:00
Der Bauernhof
ich bin nicht umgezogen, in Gedanken wird es immer...
Ostseemöwe - 3. Jun, 11:40
Noch ein schönes Gedicht...
Noch ein schönes Gedicht zum Abschied von twoday? Wohin...
iGing - 2. Jun, 07:23
Der Bauernhof
Gemächlich fällt die Nacht vom Bauernhof und silbrig...
Ostseemöwe - 1. Jun, 20:00

Links

Suche

 

Status

Online seit 3477 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 4. Jun, 11:17

Credits


allgemeines und Impressum
das bin ich in diesem Moment
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren