Mittwoch, 12. Juli 2017

Diese Nacht (Triolett)

Auf Schamgefühl kann ich verzichten.
Beileibe nicht auf eine Nacht
in der die Körper ohne Pflichten
auf Schamgefühle ganz verzichten,
sich zärtlich spielend unterrichten,
vom Taumeltanz der Lust entfacht.
Auf Schamgefühl kann ich verzichten,
beileibe nicht, auf diese Nacht!

Jungsein (Schillerstrophe)

Schwungvoll schlägt der Puls. Die jungen Leute
setzen Ziele sich im Heute.
Frohgemut beschreiten sie den Weg.
Sehnsucht liegt in jedem ihrer Tage,
Mut und Hoffnung stehen nicht in Frage,
frische Willenskraft als breiter Steg,
dürsten sie die Welt in ihren Händen
greifbar zu gestalten, groß und heil.
Kraft und Können will die Jugend spenden,
suchend stets ein Ankerseil.

Heiter singt die Jugend ihre Lieder,
Müßiggang ist ihr zuwider,
ja, sie wird dem Schwung der Zeit gerecht.
Jung sein hängt nicht ab von Jahresringen,
mein Bewusstsein zählt vor allen Dingen:,
ziehe ich für Wünsche ins Gefecht,
sehe dabei auch die kleinen Wunder?
Kann ich lachen, jauchzen hocherfreut?
Gebe ich dem Feind noch tüchtig Zunder
ohne das es mich dann reut?

Jung sein heißt; die ganze Welt beschauen,
Zuversicht um Flügel bauen.
Jung sein heißt; im Herzen frei zu sein.
Hoffnungsblüten tragen durch die Nächte,
frei vom Zwang gewinnbedachter Mächte.
Ruft die Liebe zart und Lupenrein.
Schwelgt das Herz, ist gänzlich unbesonnen,
zitternd wie ein junger Rosenstrauch,
schmecken erste Küsse voller Wonnen
heiß wie Helios Feuerhauch.

Freitag, 12. Mai 2017

Wayan, nachts ist er Ge/wehrlos

Hund, auf mit dir durchs Minenfeld!
Zeige uns den sichersten Weg zum Feind.
Töte Hund, marschiere Hund.
Wache Hund, spioniere Hund.


Der, den sie Hund rufen, ist vorne dabei.
Sein Gewehrkolben zählt die Toten nicht mehr.
Er ist der devote Hund der Kompanie,
jedem Befehl gehorchend.

Nur in stillen Nächten
betet er zwischen Ruinen,
hört seinen Gott weinen,
seine Mutter streichelt seine Wange.
Liebevoll nennt sie ihn Wayan.
Seine nassen Augen zählen vierzehn Jahre.

Wayan, ein Kindersoldat,
der Hund der Kompanie.

Dienstag, 18. April 2017

Das Kreuz mit dem Kreuz

Der kleine Mann bekommt beim Wörtchen Wahlen
Bedenken. Wählt er jemals wirklich richtig?
Wer hinterläßt ihm danach keine Qualen?
Wann wird des Volkes Kreuzchen diesmal nichtig?
Die Tagespresse scheint ihm undurchsichtig.
Parteien, die versprechen tausend Sachen,
für Kinder, Frauen, Männer toll und wichtig.
Gewählt, entfleucht das Geld in dunkle Rachen.
Ein Griff zum Lottoschein, der kleine Mann muß lachen.

Denk ich an Deutschland in der Nacht

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
daß ich so ängstlich bin;
die Wahrheit aus alten Zeiten,
die habe ich im Sinn.
Der braune Pöbel verdunkelt
das schöne Heimatland;
mein armes Herzlein munkelt:
sie stehen rückwärtsgewandt.

Mittwoch, 1. März 2017

Ein düstres Omen

Die Leute sagen immer: Die Zeiten werden schlimmer.
Die Zeiten bleiben immer. Die Leute werden schlimmer. Joachim Ringelnatz


Versäumen selbst zu denken.
Sie lassen sich schön lenken.
Ich mußte gar erkennen:
Wie sie der Storch nach rennen.
Sie blöken Petry Heil
Die Frauke, die ist geil.


Da gibt’s den Taxifahrer Tohr,
der sein Verstand an Storch verlor.
Jetzt läuft er rum mit Spatzenhirn,
ich rufe: Himmel, Arsch und Zwirn.
Wer hat in dein Gehirn geschissen,
du könntest es doch besser wissen.

Ob Storch, ob Gauland, Petry, Höcke
Sie treiben zwischen Menschen ihre Pflöcke.
Sie schrein nach Deutschtum, treues- braunes Pack
Und üben schon den Marsch ins Reich, zack zack.
Du glaubst, sie brauchen dich, den Droschkenkutscher?
Sie nutzen dich als Fahnenträger, dummer Lutscher.

Und sind sie einmal an der Macht
Bist du der Mohr und endlich aufgewacht.
Dann darfst du kämpfen um dein Mindestlohn
Und Frauen stehn am Herd, dass wird ihr Fron.
Der deutsche Rassenpass, er wird zur Pflicht
Die Menschenwürde hat dann kein Gesicht.

An Grenzen wird auf Kind und Frau geschossen.
Und auf den Straßen schallen Stiefel der Genossen.
Dein Enkel steckt in deutscher Uniform.
Wer anders denkt gehört nicht mehr zur Norm.
Ein düstres Omen und der Wahn?
Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan.

Dienstag, 22. November 2016

Wandelbare Liebe (Sonett)

Die erste Liebe blühte ungeübt
mit Händchenhalten, Kuss und Treueschwur.
Sie ankert fest im Herzen, ungetrübt.
Die Zweite brannte heiß und folgte nur

der Fleischeslust. Als sie verglomm,
erwuchsen neue stets um diesen Preis.
Verzweifelt kämpfte ich, bestimmt nicht fromm,
zerschmolzen in der Hand das Erdbeereis.

Dann kam die späte Liebe mir ins Haus.
Gereift, von Stund auf Stund mit Fleiß gewebt,
war sie der andern Lieben weit voraus.
Damit die Lieb zur Liebe sich erhebt.

Betrüg dich nicht um dieses schöne Bild,
Wenn Rechenschaft es abzulegen gilt.

Donnerstag, 10. November 2016

Die Fahrkarte liegt in deiner Hand

Die Fahrkarte liegt
in deiner Hand,
sagst du und hältst meine.
Im dämmrigen Umschwung
verzehrt die Zeit die Zeit
und dein Atmen zerfällt.

Wie soll mein Denken
sterben lernen,
sich fügen ins
Nichtdasein?

ein schimmer hoffnung bleibt

dein boot gekentert
beginnt zu sinken
spürst bedrohung
rau die see
der körper schmerzt
dein blick - geleert
geknebelt vom stoff
hörst getöse, wellen schlagen
raunt nun feuerwasser blau
dir keine warnung zu?

halte nicht am strohhalm fest
er birgt gefahr zu brechen
springe jetzt!
mit letzter kraft und kämpfe
kämpfe ums leben
keiner kann dich retten
nur du selbst allein
noch halten dich geister
freunde hoffen
du schaffst es - endlich
endlich trocken an land
zu geben ihnen
hand und herz

Die alte Eichenallee

Im Spielchen aus Lichtern und Schatten
gesprochen den Vers von Lütt Matten.
Das grünende Dach über unserem Kopf
so schritten wir hin, mit geflochtenem Zopf.
Lütt Matten, de Has, de maak sick een Spaß.


Im Schutz der Allee mit den alternden Eichen,
da mussten wir selten Gespannen ausweichen.
Und kam dann ein Regen als donnerndes Wetter,
so trommelten Tropfen auf Äste und Blätter.
Lütt Matten, de Has, de maak sick een Spaß.


Und krachte es fürchterlich laut in den Zweigen,
kein Grund nun für uns, deshalb ängstlich zu schweigen.
Erfanden aus Spaß dann auch Gruselgeschichten
von hässlichen Zwergen und winzigen Wichten.
Lütt Matten, de Has, de maak sick een Spaß.


Ersannen Gestalten aus dunkelster Gegend,
denn jedes Getier war nun furchterregend.
So wurden die Pfützen zu Flüssen und See,
wir Jäger und Sammler von Käfern und Klee.
Lütt Matten, de Has, de maak sick een Spaß.


Die Eichen, auch heute noch stehen am Ort,
sind treue Begleiter auch Schutzdach und Hort.
So säume ich liebentlang früherer Zeiten,
sie tragen hinfort in besinnliche Weiten.
Lütt Matten, de Has, de maak sick een Spaß.



(Klaus Groth, der bekannte plattdeutsche Dichter schrieb einen Text als Kinderlied: „Lütt Matten, de Has“)

Kürbisfreuden

Bejammert nicht die trübe Zeit.
Zum Kürbisschnitzen seid bereit.
Benutzt ihr ihn als Vogelschreck
erfüllt er einen netten Zweck.

Ihr dürft ihn gern entweiden,
sollt ihn dann hübsch bekleiden.
Und scheint aus ihm ein helles Licht
dann spukt er gern als Bösewicht.

Und ist der Herbst auch gruslig kalt,
gibt´s warme Suppe, die hilft bald.
Das Fleisch darin, das schmeckt gar fein,
wird munden sicher Groß und Klein.

Auch für die dunkle Jahreszeit,
da steht der Freund im Glas bereit.
So könnt ihr später an ihn denken,
denn reichlich Freunde wird er schenken.

Lebensfreude

Ich möchte mich spiegeln
im Blick des Mannes
Lebendigkeit finden
meinen Atem fühlen.

Lass uns gemeinsam suchen

Warum, Kind, finden deine suchenden Blicke in den zerlesenen Blättern nicht eine Ringelblume?
Um jener Tage und Stunden zu liebe, als wir uns fühlten. Als Nähe keine Feuerwand aus Nesseln bildete?
Abrechnung!
Ich kenne diese Lust der Bezichtigung, das verletzte Ich, dem alles zuteil wurde, nur nicht ausreichend Zuwendung. Damals vergaß ich den Mistelzweig ins Haus zu hängen. Spürte nicht deinen Hunger nach einem warmen Mahl. Sah nicht einmal das Buch in deinen Händen. Ich sah dich oft Blütenblätter zupfen.
Doch sagen mir viele Zeitzeugen der Jahre, in denen wir glücklich ineinander verflochten unsere Geschichte murmelten, du warst immer mein Kind, ich Siddhartha der Suchende.
Heute verstehe ich dich besser. Auch du hast immer gesucht.
Kannst du nicht das Muttersein und dich selbst und mich retten? Mir - unsere Schneckenhausgespräche verzeihen, die immer auch das Schweigen einschlossen?
Ich wünschte, du fändest die Kraft.

Mögliche Nebenwirkungen beim Arztbesuch

Möglich ist‘s, der Todeskampf hat längst bei mir begonnen!
Noch bevor der Arzt sich meines Beinbruchs angenommen,
sagt die Schwester:„Lassen sie sich gegen Grippe impfen,
sie sind alt, gehören nicht mehr zu den jungen Pimpfen.

Wenig hörte ich von unerwünschten Resultaten:
Hustenkrämpfe, Nesselsucht sind selten zu erwarten.
Oftmals klagen Alte über Schmerzen in Gelenken,
Fieberflecke, Atemnot - darauf dürfte sich's beschränken.

Sollten schwere Leiden danach ungewöhnlich plagen,
rate ich zum Arzt ins nächste Krankenhaus zu jagen.
Unsre Praxiszeiten, liebe Frau, sind sehr bescheiden,
langes Stehen mit gebrochnem Bein ist zu vermeiden".

Das Tor zur neuen Welt

Emma Lazarus
„Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturme Getriebenen,
Hoch halt' ich mein Licht am gold’nen Tore!“


Du hast mir aufgeleuchtet mit Glanz und Gloria
spanntest mir einen hafennahen Sehnsuchtsbogen,
reichtest mir den Kelch mit deinem Alphabet,
schenktest mir Kulissen mit neuen Herren.

'Nutze diese unentdeckten Möglichkeiten,
Geistestempel gibt es nur in dieser freien Welt.'
Sprachst und gabst mir moderne Kleider.
Kleider, die sich fremd anfühlten auf meiner Haut.

Mir zerbrach der Grundstein kindlichen Glaubens.
Fäulnis, Flucht und Lügen sprengten ihn.
Eingeschüchtert meine Seele, wankt als Bettler.
Bettler, der vor lauter Licht im Schatten steht.

Jetzt bin ich frei - ein Vogel ohne Heimatlied
der nur die Melodie der Kinderzeit vermisst.

Donnerstag, 1. September 2016

Das künstliche Licht

Einfach nur den Schalter drücken,
Licht erhellt sofort die Räume.
Angeleuchtet strahlen Bäume,
Glänzend hell. Und voll Entzücken
liest als Kind man Heldensagen,
kann dem Alltag so entrücken,
träumend Abenteuer wagen.
Licht ist lange schon die Regel,
jeder braucht den Lichterkegel.
Glanz, in allen Lebenslagen.

Dienstag, 30. August 2016

Kinderrätsel

Sie folgen dir auf Schritt und Tritt
und können doch nicht gehen.
Das Paar und du, ihr seit zu dritt,
in Pfützen könnt ihr stehen.
Bei Regen sind sie angesagt
und keine Mama sich beklagt.
Die Lösung: Gummistiefel
---------------------
Die Glocke ist im Namen drin,
doch blüht sie still und leise.
Fürs Häschen macht es wenig Sinn,
beklagenswerter weise.
Erfreut ihr Leuchten jedes Kind,
weils endlich Frühjahr wird geschwind
dann blühen Osterglocken.
----------------------
Sie ist mein schönstes Wiegenkind,
wir träumen oft und schlafen
gemeinsam, weil wir Freunde sind.
Ich werd sie nie bestrafen.
Ich nenne sie oft kleine Maus
und setze sie ins Puppenhaus.
Sie ist mein Püppchen Britta.

-----------------------
Ich hab ein kuschelweiches Fell
und esse gerne Rübchen.
Ich mag es warm und auch schön hell
und Stroh im Stall, als Stübchen.
Ich hoppel gerne durch das Gras.
Mein Freund nennt mich auch Jonatas,
ich bin sein Hoppelhase.

Kinder aus Aleppo

Verscharrt, in Trümmern steckt ihr Leid.
Aus Bomben pfeift der Tod.
Sie tragen längst das Leichenkleid
Gefangen, ohne Brot.

Sie sind geboren unterm Schwert
und büßen ohne Schuld.
Ein Leben ohne Stellenwert,
zum Töten nicht geschult.

Sie können keine Vögel sehn.
Der Himmel, ganz aus Stahl.
Sie würden gern zur Schule gehn,
Und nicht zum Totenmahl.

Verhungern Kinder ohne Zahl,
Die Welt, sie sieht sie nicht.
Die Kinder haben keine Wahl.
Ein Kind hat kein Gewicht.

Das Abendland schon lange zeigt,
Es zählt nicht Gottes Wort.
Die Welt da draußen wieder schweigt.
Sie schweigt vom Kindermord.

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